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Medizin_Heute_Juni_2022

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Seite 6 Spezial zum Thema Haut & Haar WARUMSONNENBRÄUNE NICHT VOR UV-STRAHLEN SCHÜTZT Seit Jahren kämpft die Deutsche Krebshilfe gegen zahlreiche Irrtümer an,die sich rund um dasThema Hautkrebshartnäckig halten.Hier die wichtigsten fünf Beispiele. Text:JensFritzsche Jedes Jahr bekommen über eintausend Sachsen die Diagnose Hautkrebs. Dabei gibt eslängst ein sehr gutes Vorsorgesystem. Doch noch immer wird gerade das Thema Sonnenbrand auf sprichwörtlich leichte und damit auf die echte Schulter genommen. Hinzu kommen Mythen, die vermeintlich vor Sonnenbrand und den gefährlichen Folgen für die Haut schützen sollen. Die meisten davonlassen sichleichtwiderlegen: SCHÜTZT DASSOLARIUM VORSONNENBRAND? Nein. Die künstliche Bräune ist, bedingt durch das dort eingesetzte spezielle Strahlenspektrum, extrem kurzlebig. Gleichzeitig wird man im Solarium einer extremen Strahlenbelastung ausgesetzt, vergleichbar mitder zur Mittagszeit am Äquator. HÄRTETSONNENBRAND DIEHAUTAB? Nein,das Gegenteilist der Fall. Ungeschützte Haut wird durch UV-Strahlen sofort und tiefgehend geschädigt. Biszueinem gewissenGradkann der Körper dies ausgleichen. Es besteht jedoch die Gefahr, dass geschädigte Zellen in der Haut bleiben, was das Hautkrebsrisiko erhöht, auch wenn die Tumore teilweise erst Jahrzehnte später entstehen. Wer in jungen Jahren häufig lange Sonnenbäder nimmt, erhöht nachweislich sein späteresHautkrebsrisiko. SONNENCREMEMACHT LANGES SONNENBADEN MÖGLICH? Nein. Bei Sonnenschutzmitteln kommt es auf den Lichtschutzfaktor an. Liegt der bei 30 oder mehr, wird zwar tatsächlich einGroßteil der UV- Strahlung„geschluckt“.Dennoch erhöht sich das Hautkrebsrisiko, da Strahlen in die Haut eindringen und dort Schäden inden Zellen anrichten. Sonnencremeist nurErgänzung zu schützender Kleidung. Foto:pixabay.com BRAUCHT ES TROTZ WOLKEN SONNENSCHUTZ? Ja, unbedingt. Denn Wolken beeinflussen den Grad der UV-Strahlung zwar, jedoch sehr unterschiedlich. Im Allgemeinen mindern Wolken die Intensitätder UV-Strahlung maximalum10bis 50 Prozent. SCHÜTZT BRÄUNE DIEHAUT VORUV-STRAHLUNG? Nein.Vielmehr handelt es sich um eine Stressreaktion der Haut. Soversucht sich der Körper, vor den krebserregenden Strahlen zu schützen. Wenn diese auf die Haut treffen, entsteht Melanin, ein Farbpigment, das sich umdie Zellkerne legt, um das enthaltene Erbgut zu schützen. Vor UV-Strahlungschützt es aber nicht. ............................................................. q www.infoportal-hautkrebs.de INFO-PLUSHAUTKREBS q Patientenmit bösartigen Hauttumoren–wieMelanom oder Merkelzellkarzinom –bekommen ab JuliamDresdner Uniklinikumeine noch intensivereBetreuung durchein interdisziplinäres Ärzteteam.Unter Leitungvon Prof. Dr.Friedegund Meier,Leiterin desHauttumorzentrums,wird eine„AmbulantespezialfachärztlicheVersorgung“ (ASV)mit Schwerpunkt Hauttumoreihre Arbeit aufnehmen. DerGesetzgeber hatsolcheASV aufden Weggebracht, um eine noch umfassendereVersorgungder Betroffenen zu ermöglichen und durchdie Krankenkassen zu finanzieren. Infos: 0351 4582290 q NeuesteZahlenbelegen es:Mit rund 300.000 Neuerkrankungen proJahr istHautkrebs diehäufigste Krebserkrankung in Deutschland.Zunehmendintensivere Sonneneinstrahlungund die steigendeLebenserwartung sind Gründe dafür. Im Frühstadium istHautkrebsoft heilbar. q Daswöchentliche„DermatologischeTele-Tumorboard“ am Hauttumorzentrumder Dresdner Uniklinik istjetzt virtuellauchfür Ärzteaußerhalbdes Uniklinikums geöffnet.ImTumorboard besprechen Expertenaller an der Therapie beteiligtenFachdisziplinen desUniklinikumseinzelnePatientenfällemit Hauttumoren. Durchdie virtuelle Öffnung desTreffenshaben nun auchMediziner vonaußerhalb die Möglichkeit,ihrePatientenfällevorzustellen. JF URSACHESELTENER HAUTKRANKHEIT GEFUNDEN Dr.Benjamin Kleinwirdfür seine Forschungsarbeit zum Huriez-Syndrom mitdem Carl Gustav CarusFörderpreis ausgezeichnet. Text:JensFritzsche Die meisten dürften noch nie etwas vom Huriez-Syndrom gehört haben. Wasnicht überraschend ist, handelt es sich dabei doch um eine äußerst seltene, angeborene Hauterkrankung. Eine Erkrankung, diebereits in den ersten Lebensjahren auftritt und für die Betroffenen allerdings schwerwiegende Folgen hat. Meist müssen Finger, Zehen oder ganze Gliedmaßen amputiert werden, um einen tödlichen Verlauf zu verhindern, denn eineTherapiegibtesbishernicht. Umso wichtiger ist es, die genauen Ursachen für diese seltene Erkrankung zu erforschen undherauszufinden,woesmöglicheAnsätze füreine Behandlung geben könnte. Das Huriez-Syndrom –benannt nach dem französischen Dermatologen Claude Huriez, der die Krankheit als Erster beschrieb –ist eine sogenannte Verhornungsstörung an Händen und Füßen. Eskommt unter anderem zu Hautverhärtungen, zu Sklerosen. Lebensbedrohlich werden dabei Plattenepithelkarzinome –bösartige Tumore–,die sich anschließendauf der geschädigten Haut der Patienten bilden können. Um das Leben der Betroffenen –meist sind es Kinder –zu retten, greifen Mediziner im Moment wie beschrieben auf die Amputation einzelner Glieder oder auch ganzer Gliedmaßen zurück. Ursache für das Huriez-Syndrom sind dabei genetische Mutationen in einem Enzym, das ander Hautbildung beteiligt ist. Betroffen davon ist das SMARCAD1-Protein, das eine wesentliche Rolle bei der Reparatur von DNA-Schäden spielt. Ist diese Zelle nicht mehr inder Lage, DNA- Schäden zureparieren, kann das zur Entstehungvon Karzinomen führen.. Der an der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus ausgebildete Mediziner Dr. Benjamin Klein, der seit 2020 am Uniklinikum Leipzig arbeitet, hat sich in seiner Forschungsarbeit damit beschäftigt, welche konkreten Prozesse inder Zelle für diese fehlende Reparaturleistung verantwortlich sind. Und hat dabei herausgefunden, dass das erwähnte SMAR- CAD1-Protein eine entscheidende Rolle spielt. Eine wichtigeErkenntnis. „Denn das Verständnis dieser Abläufe würde uns mittelfristig auch helfen, die Entstehung von entzündlichen und bösartigen Hauterkrankungen besser zuerklären und im Idealfall verhindern zukönnen“, ist er überzeugt. EinFakt,den auch Prof. Frank Buchholz unterstreicht, der Forschungsdekan der Medizinischen Fakultät der TU Dresden: „DieArbeit zeigt sehr schön, wie man anhand seltener Erkrankungen komplexe genetische Prozesse versteht, um sie später im Idealfallauf andereErkrankungen übertragen zu können, um diesen vorzubeugen oder sie entsprechendzutherapieren.“ Fürseine ForschungwurdeDr. Benjamin Klein jetzt mit dem Dresdner Carl Gustav CarusFörderpreis ausgezeichnet.

Gesunde Muskeln Seite 7 „STARKE MENSCHEN LEBENLÄNGER“ Eine neue Studie über Auswirkungen vonMuskeltraining offenbarterstaunliche Zusammenhänge mit unsererLebenserwartung. DennesreduziertTodesfälle an Krebsund Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Interview: Jens Fritzsche Fotos:Kieser-Training Das „British Journal of Sports Medicine“ veröffentlichte gerade die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Untersuchung, die den Nutzen regelmäßigen Muskeltrainings füreinehöhere Lebenserwartung und zur Bekämpfung sogenannter Zivilisationskrankheiten belegt. Das hat Dr. Frank Horlbeck nicht wirklich überrascht, sagt er. Denn der Arzt und Geschäftsführer mehrerer Kieser Training-Zentren befasst sich seit über 25 Jahren mitdiesen Themen. Herr Dr.Horlbeck,zu welchenErgebnissen kommendenndie Wissenschaftler in besagter Studie? Diese Publikation nahm alle bisherigen Studien unter die Lupe, die den Zusammenhang eines sogenannten Krafttrainings mit Zivilisationskrankheiten untersuchten. Das Fazit ist: Starke Menschen bleiben nicht nur gesünder, sondern leben sogar länger. Wiedas? Die Veröffentlichung belegt wissenschaftlich, dass trainierte Menschen ihre Lebenserwartung erhöhen, vor allem durch eine deutlich geringere Sterblichkeit an Herz-Kreislauferkrankungen und Krebserkrankungen, was jamit Abstand unsere Haupttodesursachen sind. Ich bin überzeugt, dass diese Ergebnisse indirekt auch darauf schließen lassen, mit intensivem FAKTISCHALLE UNSERER ZIVILISATIONS- ERKRANKUNGENLASSEN SICH DURCHMUSKEL- TRAININGPRÄVENTIV BEEINFLUSSEN. Training beispielsweise auch die Sterblichkeit durch eine Corona-Erkrankungreduzierenzukönnen.Die gemeinsame Schnittstelle scheint unser Immunsystem zu sein. Siesagen,diese Ergebnisse haben Sienicht wirklich überrascht: Warum? Seit einer Initialzündung 1996 las ich Studien zum Schwerpunkt meiner ärztlichen Tätigkeit: Gelenkerkrankungen und Rückenprobleme. Mir wurde nach und nach das therapeutische Potenzial einer starken Muskulaturbewusst.Ich besuchte Kongresse, vernetzte mich mit Gleichgesinnten, wurde Vorstand einer internationalen wissenschaftlichen Fachgesellschaft, schrieb selbst Artikel und organisierte einen zweitägigen Fachkongress im Dresdner Hygienemuseum. Vor allem aber beriet und motivierte ich bei Kieser- Training mittlerweile etwa 15.000 Aktive, ihren Körper regelmäßig an Maschinen zu kräftigen. Dasheißt,Sie haben auchselbstzahlreiche wissenschaftliche und medizinische Erkenntnissegesammelt. Welche zum Beispiel? Icherkannteschnell dasPotenzial der Motoren unseres Lebens, das weit über orthopädisch dominierte Themen hinausging. Vergleichbar mit einem Bergmann, der in einer Mine nach Zinn und Kupfer schürft und dabei zusätzlich auf Silber und Gold stößt. Ich hatte intuitiv – für mich und meine Patienten –auf das richtige Pferd gesetzt. Starke Menschen bleiben tatsächlich jung! Parallel dazu gab es zahlreiche Forschungsergebnisse, die unsere Muskulatur vom bloßen Motor und Befehlsempfänger unseres Körpers zum starken Taktgeber für alle Organe und Körperzellen aufwerteten. Wiegelingtesder Muskulatur,dieser Taktgeberfür die Organe zu sein? Wesentlich sind die Myokine, spezifische Botenstoffe arbeitender Muskeln. Sie wurden erst seit 2006 von Medizinern entdeckt, erforscht und damit auch immer mehr ihrer gesundheitlichen Wirkungen. Ja, wir haben sozusagen eine innere Apotheke. Wer diese nutzen möchte, muss selbst aktiv werden und sein größtes Organsystem – also die Muskeln – regelmäßig belasten. Dasheißt, Muskeltraining istsozusagen auch Gesundheitsvorsorge? Faktisch alle Zivilisationserkrankungen lassen sich durch Muskeltraining bekämpfen, vom Stoffwechsel über unser Nervensystem, Herz und Kreislauf bis hin zum Immunsystem. Trainierte Muskeln schärfen unsere zelluläre und humorale Abwehr –die Produktion von Antikörpern imBlut VITALPOINT FINSTERWALDE Ernährungsberatung /Hypnosepraxis -Raucherentwöhnung -Gewichtsreduktion Yvonne Guntau An der Bürgerheide 10 03238 Finsterwalde -sorgenfrei leben -Rückführungen Tel. 03531 -704545 www.vitalanalyseteam.de –und beugen soder Alterung und einem Funktionsverlust dieses wichtigen Schutzes vor. Auch vor inneren Feinden wie Krebszellen und äußeren Angriffen, durch Mikroben zum Beispiel. Und wieoft sollten Muskeln trainiert werden,umdiesen Schutz auch bieten zu können? Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt zwei Mal wöchentliches Muskeltraining. Wir von Kieser auch ein bis zwei Mal30Minuten pro Woche. Das scheint tatsächlich der optimale Trainingsumfang zu sein. Kraft als Medikament hat jedenfalls eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung. Aber selbstverständlich macht eine Ergänzung um weitere körperliche Aktivitäten mit niedriger Intensität, also ausdauerorientiert, durchaus Sinn. Zweieinhalb Stunden pro Woche in Bewegung zu seinist dasabsolute Minimum. ANZEIGE

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