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Medizin_Heute_Juni_2022

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Schwerpunkt Medizinforschung Seite 3 WUNDERMITTEL MANUKA-HONIG? Ein Dresdner TU-Professor sorgt dafür, dass einbis dahinfast unbekanntes Naturprodukt ausNeuseeland einen regelrechten Siegeszugdurch dieDrogerieregale derWelt antritt. Text:JensFritzsche Foto:pixabay.com Es klingt nach einem echten Wundermittel: Der aus Neuseeland stammende Manuka-Honig soll gegen Hautkrankheiten wieAkneoder Neurodermitis helfen, er ist bei Darmerkrankungen als Heilmittel im Gespräch, soll Fußpilz verschwinden lassen und gegen Staphylokokken helfen, also Wundinfektionen. Die Bienen sammeln dabei die Pollen der Manuka-Pflanze, deren heilende Wirkung schon die UreinwohnerNeuseelandsentdeckt hatten. Bekannt war der Honig allerdings bis vor einigen Jahren nur wenigen. Professor Thomas Henle, Lebensmittelchemiker ander Technischen Universität Dresden, änderte das. Der Manuka-Honig hat dank seiner Forschungen einen regelrechten Siegeszug durch die Drogeriemarkt-Regale in der gesamten Welt angetreten. ES GIBTMITTLERWEILEEINE REIHEBELASTBARER WISSENSCHAFTLICHER STUDIENZUM MANUKA-HONIG Herr Professor Henle, Siehaben sich intensivmit diesem besonderen Honig befasst, wie viel Wunschdenken ist bei der Aufzählung der zahlreichen Wirkungen aus Ihrer wissenschaftlichenSicht dabei? Es gibtmittlerweile eine Reihebelastbarer wissenschaftlicher Studien, die zeigen, dass Manuka-Honig aufgrund seiner keimhemmenden Wirkungvor allem im Bereichder Wundheilung konkretes Anwendungspotenzial hat. Hier sind auch entsprechende Produkte, wie zum Beispiel Salben undWundauflagen, kommerziell erhältlich. Für weitere medizinische Anwendungen, beispielsweise bei Magenerkrankungen, gibt es interessante Hinweise in der wissenschaftlichen Literatur. Hier konnte zum Beispiel gezeigt werden, dass Manuka-Honig das Bakterium Helicobacter pylori, einen Verursacher von Magenentzündungen, hemmen kann. Allerdings fehlen hier und vor allem bei vielen anderen Anwendungsbereichen fundierte klinische Studien. Diese kosten leider sehr viel Geld, wären aber für einen tatsächlichen Wirksamkeitsnachweis und die nachfolgendeAnwendung in derevidenzbasierten Medizinunerlässlich. Sie haben gemeinsam mit IhremForscherteam herausgefunden, dass die antibakterielle Wirkung am–im Vergleich zu „normalem“ Honig–enorm höheren Anteil anMethylglyoxal liegt. Etwa 20 mg/kgsindesbei einheimischem Honig, zwischen700 und800 mg/kgbeim Manuka-Honig.Wie sind Sie auf dieseSpurgekommen? Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren mit Reaktionen von Kohlenhydraten und Proteinen bei der Verarbeitung und Lagerung von Lebensmitteln. In diesem Zusammenhang hatten wir vor einiger Zeit zahlreiche Honige bezüglich der Bildung sogenannter Carbonylverbindungen analysiert. Diese entstehen aus Glucose –also Traubenzucker – und Fructose – dem Fruchtzucker. Das sind jadie beiden Hauptinhaltsstoffe von Honig. Bei diesen Untersuchungen ist uns bei ein paar Manuka-Honigen eine Verbindung aufgefallen, die in anderen Honigen nicht oder nur in sehr kleinen Mengen enthalten war. Wir konnten diese Verbindung dann isolieren und als Methylglyoxal identifizieren und zweifelsfrei nachweisen, dass Methylglyoxal für die gegenüber konventionellen Honigen stark ausgeprägte antibakterielle Wirkung verantwortlich ist. Vor unseren Arbeiten waren zwar die antibakteriellen Eigenschaften von Manuka-Honig bereits seit Jahrzehnten bekannt, diedafür verantwortliche Bestandteile waren aber trotz zahlreicher Untersuchungen noch nichtidentifiziert. Washat Sie–alsDresdnerWissenschaftler-darangereizt,sich mit diesem besonderen Honig ausNeuseeland zu befassen? Als Lebensmittelchemiker interessieren uns natürlich schwerpunktmäßig die Zusammenhänge zwischen Lebensmitteln, Ernährung und Gesundheit. Von besonderer Bedeutung sind für uns dabei mögliche Wirkungen von Lebensmittelinhaltsstoffen im menschlichen Körper –sowohl positive als auch INFO-PLUS: MANUKA-HONIG q Manuka-Honig wird vonHonigbieneninden bergigenRegionen Neuseelandsund Südost-Australiens ausdem Blütennektarder Südseemyrte–so derübersetzteName derManuka-Pflanze–produziert. q In vielenSortenkonnten antibakterielle Eigenschaftendes Honigs nachgewiesen werden. q Die UreinwohnerNeuseelands – die Maori –kennen die heilende Wirkungder Manuka-Pflanzeschon DieManuka-Pflanze. Ihre Heilwirkung istden Ureinwohnern Neuseelands schonseit Jahrtausendenbekannt. negative. Auf den Manuka-Honig und dessen besondere Wirkung stießen wir eher durch Zufall. Wir hatten über die speziellen Wirkungen inFachzeitschriften gelesen – und haben dann auch nur einige Proben über das Internet bestellen können. Mittlerweile hat dieserHonig weltweit eine sehr große Popularität erlangt, wohl auch mitbedingt durch unsere Entdeckung des antibakteriellen Methylglyoxals unddie Wirksamkeitsnachweise. War esvielleicht auch die Hoffnung, als Lebensmittelchemiker hierzulande ähnliche Pflanzen wiedie Manuka finden zu können – oder gar einen chemischen „Nachbau“ zu entwickeln? Man kann aus wissenschaftlicher Sichtnatürlich nichts ausschließen, allerdings sehe ich hier ehrlich gesagt wenigPerspektiven etwa für seitJahrtausenden undverwenden deshalb sowohl dieBlätter als auchdie Rinde–sowieden Honig –traditionellzur äußerlichen Wund-Desinfektion undUnterstützung der Heilungauchvon Entzündungen. q Gerüchten zufolge sollen neuseeländische Farmer schoninden 1930er Jahren Manuka-Honig an ihre Kühe verfüttert haben, um diese robuster gegen Krankheitenzumachen…

Seite 2 Schwerpunkt Medizinforschung die Pflanzenzüchtung oder die heimische Imkerei. Eine ganz zentrale wissenschaftliche Herausforderung ist hierbei, dass man immer noch nichtweiß,wie Methylglyoxal in der Manuka-Pflanze gebildet werden. Auch bilden nicht alle Manuka- Pflanzen ingleichem Umfang Methylglyoxal. Aktuelle Forschungsarbeiten anunserem Institut zeigen zudem,dassdie antibakterielleWirkung von Methylglyoxal durch weitereInhaltsstoffe im Manuka-Honig verstärkt werden können. An der Aufklärung dieser synergistisch wirksamen Verbindungen arbeiten wirgerade. Was gleich zur nächsten Frage führt: Esgibt zahlreiche Stimmen, die Manuka-Honig alsbiologische Alternative zu Antibiotika sehen. Würden Sie zum einen da mitgehen? Nein, Manuka-Honig kann und wird Antibiotika keinesfalls ersetzen. Die antibakteriell wirksamen Konzentrationen von Antibiotika NEIN, MANUKA-HONIGKANN UNDWIRD ANTIBIOTIKA KEINESFALLS ERSETZEN sind deutlich niedriger als die von Methylglyoxal oder entsprechenden Honigen. Allerdings könnte Manuka-HonigmöglicherweiseeineAntibiotikatherapie unterstützen und so eventuell dazu beitragen, dass die Dauer einer Antibiotikatherapie verkürzt oder die verabreichte Menge des Antibiotikums verringert werden kann. Auch hierfür wären aber umfangreiche medizinische Studien nötig, bevordiesinder Praxis Einzug finden kann. Geradezu fahrlässig wäre es jedoch, wenn man bei Infektionserkrankungen, für deren Behandlung Antibiotika aus medizinischer Sicht notwendig sind, diese weglassen und dafür Manuka-Honig einsetzen würde. Leider ist dies bei machen „Alternativmedizinern“ nicht auszuschließen –und davor möchte ich dringendwarnen. Zum anderen: Müsste man mit Blick auf den massiven Bedarf an Antibiotika dann tatsächlich eine chemische Produktion von Methylglyoxal forcieren? Wie bereits dargestellt, kann und wird Methylglyoxal Antibiotika nicht ersetzen. Zudem ist die Verwendung von Methylglyoxal als Zusatzstofffür Honig undalle anderen Lebensmittel gemäß dem Lebensmittelgesetz nicht zulässig. Es kommt allerdings durchaus vor, dass Methylglyoxal unerlaubterweise einem Honig zugesetzt wird, um so eine höhere Qualität vorzutäuschen und billige Produkte teuer zu verkaufen. Diese Thematikist ebenfalls ein Schwerpunkt unserer Forschungsarbeiten. Wirhaben Verfahren entwickelt, mit deren Hilfe wir nachweisen können, ob Methylglyoxal von Natur aus im Manuka- Honig entstanden ist oder ob die Verbindung „künstlich“ zugesetzt wurde. Auf diese Weise können wir Honigfälscher überführen. Zum Abschluss: Was können die Lebensmittelchemie, was kann die Biotechnologie und Medizin gerade im Zusammenhang mit dem Manuka-Honig vonder Natur lernen? Manuka-Honig und dessen Inhaltsstoffe sind für mich als Lebensmittelchemiker das beste Beispiel dafür, dass wirnochimmervielzuwenig über die Zusammensetzung und die Wirkung unserer Lebensmittel wissen –und dass esgerade vor dem Hintergrund einer möglichen Wirkung unerkannter Verbindungen im menschlichen Körper noch sehr viel zuentdecken gilt. In Anbetracht der riesigen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte –ich denke hier an den Klimawandel, die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung, aber auch das Fortschreiten von Zivilisationserkrankungen in den Industrienationen –kommt der Lebensmittelforschung zusammen mit anderen Fächern wie der Biologie und der Medizin eine sehr große Bedeutung zu. Wir können und müssen noch viel von der Natur lernen –auch für die Natur des Menschen. Besuchen Sie uns unter www.apogepha.de APOGEPHA –Arzneimittel für die Urologie Als Partner in der Urologie bieten wir hochwertige Produkte und Services zur Behandlung urologischer Erkrankungen. Unser Ziel ist es, durch Innovation und Qualität einen wertvollen Beitrag für die Urologie zu leisten und Therapiemöglichkeiten für Patienten zu verbessern. APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Kyffhäuserstr. 27, 01309 Dresden Tel. 0351 33633, Fax 0351 3363440, info@apogepha.de, www.apogepha.de Prof.ThomasHenle. Foto:Th. Eckert

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