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Medizin_Heute_Juni_2022

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Schwerpunkt Medizinforschung Seite 5 DRESDNER MEDIZINER MITNEUERTHERAPIE GEGENSCHWEREN BLUTHOCHDRUCK DasHerzzentrumDresden bietet eine neue Ultraschallbehandlung bei Hypertonie an. Als erst zweite KlinikinOstdeutschland. Jeder dritteDeutsche leidetan zu hohem Blutdruck. In Dresden gibt es jetzteineneueTherapie. Text:RobertReuther DIE NEUE HOCHMODERNE ULTRASCHALL-DENERVIERUNG ISTEIN SEHR SICHERES UNDGUT STUDIENBELEGTESVERFAHREN Er wird stiller Killer genannt, ist überhaupt nicht harmlos und rund ein Drittel aller Bundesbürger haben mit ihm zu kämpfen: der Bluthochdruck,imFachjargon arterielle Hypertonie genannt. Man spürt ihn nichtoder kaum,erzieht sichdurch alle Altersschichten, trifft Frauen wie Männer gleichermaßen, die Beschwerden sind diffus, aber die Folgeerkrankungen können tödlich sein. DieVolkskrankheit gilt alseine der Hauptursachen für Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenschwäche. Nungibteseineneue Therapie-Option im Herzzentrum Dresden: Jetzt ist hier die sogenannte renale Denervierung mit Ultraschall fester Bestandteil des klinischen Behandlungsspektrums bei unkontrolliertem Bluthochdruck. Die renale Denervation bezeichnet ein Verfahren, bei dem die Aktivität der Nervenfasern, die zwischen Niere und Gehirn kommunizieren, reduziert wird. Dabei wird in einem kleinen Eingriff ein Ballonkatheter über die Leiste in die Nierenarterien eingeschoben, der die Reizleitung der Nervenbahnen umdie Nierenarterien mit Hilfe von Ultraschallenergie teilweise unterbricht. Durch die reduzierte Reizübermittlung kann der Blutdruck gesenkt werden. Bisherwurden dafür Radiofrequenzkatheter mit Hochfrequenzstrom genutzt. Das neue Verfahren ist besonders für Betroffene geeignet, die ihren Blutdruck trotz medikamentöser Therapienichtinden Griffbekommen. „Die Ultraschall-Denervierung ist ein sehr sicheres und gut studienbelegtes Verfahren“, macht Dr. Robert Höllriegel deutlich. Der Kardiologe ist Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin und Kardiologie im Herzzentrum Dresden – und zertifizierter Hypertensiologe der Deutschen Hochdruckliga. Das Verfahren verkürzt dabei die Eingriffsdauer und liefert gleichzeitig ein gleichmäßigeres Behandlungsergebnis, beschreibt der Dresdner Spezialist. „Wir sind stolz, diese neue Therapieoption als erst zweite Klinik im Osten Deutschlands für unsere Patientinnen und Patienten anbieten zu können!“ Die neue Behandlungsmethode komplettiert damit das Angebot des Hypertonie- Zentrums des Herzzentrums Dresden. 30 MillionenBetroffene leiden an Bluthochdruck Wie wichtig die richtige Behandlung von Bluthochdruck ist, zeigt ein Blick indie Statistik. Mehr als 30 MillionenMenscheninDeutschland leiden daran – oft, ohne es überhaupt zubemerken. Bluthochdruck verursacht meist lange Zeit keine merklichen Beschwerden. Nun ist es aber so, dass der auf Dauer erhöhte Druck nicht nur unsere Blutgefäße schädigt, sondern letztendlich auch Organe wie Herz, Gehirn und Nieren. „Das wiederum kann weitere schlimme Erkrankungen zur Folge haben, wie eine koronare Herzerkrankung, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall“, erklärtDr. RobertHöllriegel.Warnsignale können Brustschmerzen, Luftnot bei Belastung, Kopfschmerzen, aber auch Schwindel, häufigeres Nasenbluten oder eine leicht gerötete Gesichtsfarbe sein. Die Ursachen für Bluthochdruck sind sehr unterschiedlich. Nur bei jedem zehnten Betroffenen ist eine andere Erkrankung ander Hypertonie Schuld. Für diese sogenannte sekundäre Hypertonie sind meist Nierenerkrankungen, Hormon- und Stoffwechselerkrankungen oder Gefäßkrankheiten verantwortlich. 90Prozent hingegen haben eine primäre Hypertonie. „Sie entsteht durch das Zusammenspiel ganz verschiedener Faktoren –das können familiäre Veranlagungen sein, das Alter spielt eine Rolle, genauso wie der Lebenswandel“, beschreibt der Dresdner Chefarzt. Undzählt weiterenegative Faktoren auf: Übergewicht, Bewegungsmangel,Alkohol undNikotin,sowie eine schlechteErnährung. UndnichtzuletztauchStress. Dr.RobertHöllriegel. Foto:PR Mehr Bewegung und weniger Salz Das Gute ist: Viele Betroffene einer primären Hypertonie können sich quasi selbst helfen, um den Blutdruck zusenken. Wer übergewichtig ist, sollte abnehmen. Eine regelmäßige Bewegung ist genauso wichtig, wie eine salzarme Ernährung und wenig Alkohol. „Rauchen sollte man ganz sein lassen“, rät Dr. Höllriegel. Es sei zudem hilfreich, Pausen und Erholung fest in den Tag einzuplanen. „Hilft das alles nichts,dann können zusätzlich Medikamente verschrieben werden, die den Blutdruck zuverlässig senken.“ Besonders schweren Fällen, bei denen weder Lebensstiländerungen noch Medikamente den Blutdruck effektiv senken, widmet sich Spezialambulanz für arterielle Hypertonie amHerzzentrum Dresden. Hier kann sich jeder Betroffene mit einer entsprechenden Überweisung vorstellen. „Zusammen mit den Patientinnen und Patienten entwickeln wir einen Behandlungspfad und führen gegebenenfalls zusätzliche Untersuchungen zum Ausschluss einer sekundären Hypertonie durch“, so Dr. Höllriegel. „Kommt eine renale Denervation inBetracht besprechen wir ausführlich die Vor- und Nachteile der Therapie underläuternAlternativen, wie die Implantation eines kleinen Schrittmachers zur Stimulation von Nerven an der Halsschlagader, wodurch der Blutdruck ebenfalls gesenkt werden kann“,erklärt Dr. Robert Höllriegel weiter. Das Herzzentrum Dresden bietet somit alseines derwenigen Zentren in der Region eine umfassende Möglichkeit zur Therapie von Patientinnen und Patienten mit unkontrollierter arterieller Hypertonie an.

Seite 4 Schwerpunkt Medizinforschung ARZTBESUCHPER WHATSAPP Telemedizin undDigitale Gesundheits- Anwendungen spielenauchin Sachsen zunehmendeine große Rolle. EinheimischeUnternehmen arbeitenhier ebenfalls an Lösungen. Text:JensFritzsche Foto:pixabay.com Digitale Angebote werden zunehmend dasGesundheitswesen erobern. Wissenschaft,Politik undPharmabranche entwickeln entsprechende Lösungen. Sprechstunden via Computer-Bildschirm sind mittlerweile keine wirkliche Sensation mehr. Gerade in Corona-Zeiten haben vieleMediziner auf diese Möglichkeit zurückgegriffen. Und überhaupt ist Telemedizin eine Entwicklung, die den klassischen Arztbesuch zwar nicht überflüssig machen soll, darf und wird –aber ihn zumindest ergänzt. Der Behandlungsfortschritt bei Hauterkrankungen beispielsweise kann jadurchaus auch durch über WhatsApp gesendete Fotos an den Arzt dokumentiert werden. Und gerade, was die Themen Beratung oder Vorsorge setzen Medizin, Forschung, Politik und Pharmaindustrie gemeinsam zunehmend auf die Unterstützung von Apps. Dadurch, so macht beispielsweise auch Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) deutlich, können lange Anfahrtswege und Wartezeiten entfallen. „Und besonders für Patienten auf dem Land kann dies ein Schritt hin zu besserer Versorgungsqualität sein.“ Sicherheitgeradebei Digitalangeboten wichtig Aber natürlich ist das Ganze auch ein sensibles Thema; es geht um Verlässlichkeitund vorallem um Sicherheit dieser digitalen Angebote. Um das zugewährleisten undauch, um gefährlichen Wildwuchs zu verhindern, wurde 2019 das Digitale- Versorgung-Gesetzes (DVG) umgesetzt. Seither dürfen Ärzte und Psychotherapeuten sogenannte Digitale Gesundheitsanwendungen verordnen; und die Krankenkassen erstatten die entsprechenden Kosten. Voraussetzung hierfür ist, dass das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte –kurz BfArM –zu den digitalen Angeboten eine positive Bewertung abgegeben hat und die Aufnahme ins offizielle Verzeichnis aller geprüften Digitalen Gesundheitsanwendungen erfolgt UNDBESONDERS FÜR PATIENTEN AUFDEM LAND KANN DIES EIN SCHRITT HINZUBESSERER VERSORGUNGSQUALITÄTSEIN ist. Eine Übersicht dazu gibt es auf der Internetseite des Bundesinstituts. GesundheitsAppshelfenbei Therapieund Vorsorge Auf dem digitalen Markt ist dabei eine Menge Bewegung. Auch Medizinunternehmen sind dabei, zahlreiche GesundheitsApps zu entwickeln, die Patienten bei der Therapie begleiten, aber die vor allem auch die Vorsorge unterstützen. Um auch hier Ärzten eine Hilfe an die Hand zu geben, sowohl den Überblick zubehalten, als auch die Verlässlichkeit bewerten zu können, hat das Zentralinstitut der Kassenärztlichen Vereinigungen eine Art „Monitor“ entwickelt. Auf einer Internetseite eingerichtet. Im Moment ist diese Internetseite – www.kvappradar.de – Medizinern vorbehalten, soll aber später auch um ein Angebot für Patienten erweitertwerden,wie es dazu heißt. Auch Dresdner Unternehmen entwickelt digitaleLösungen Auch das Dresdner Unternehmen Apogepha – das Arzneimittel für urologische Erkrankungen entwickelt und produziert –beschäftigt sich mitder Entwicklungeinereigenen Digitalen Gesundheitsanwendung. „Wir sehen da gerade im Bereich der Urologie sehr viel Bedarf“, macht Steffi Liebig deutlich. Die Apogepha-Sprecherin weiß, dass gerade Krankheiten in diesem Bereich noch immer für viele ein Tabuthema sind, „mit dem sich sogar WASSIND DIGITALE GESUNDHEITSANWENDUNGEN? q Digitale Gesundheitsanwendungen sind beispielsweiseAppsoder browserbasierteAnwendungen (Internetseiten zumBeispiel), die dazu bestimmtsind, Erkrankungen zu erkennen oder beider Therapie zu unterstützen.Diese Anwendungen können außerdem beider Diagnosestellung helfen. q LautGesetzgeber handelt sich dabeiumdigitaleMedizinprodukte mit geringem Risiko. q Um dieSicherheitfür die Nutzer zu garantierenmüssen diese Angebote CE-zertifiziert seinund zusätzlich vomBundesinstitut fürArzneimittel undMedizinprodukte (BfArM) geprüftwerden. q Sind die DigitalenGesundheitsanwendungen zertifiziertund geprüft, dürfen sievon Ärztenverschrieben oder beientsprechenderDiagnose direkt vonden gesetzlichen Krankenkassenerstattet werden. viele aus falscher Scham scheuen, zum Arzt zu gehen“. Bestimmte Symptome mit bestimmten Krankheitsbildern zu verbinden, könnte hier ein sehr wichtiges digitales Angebot sein, umBetroffene rechtzeitig überzeugen zu können, ärztliche Hilfe zuergreifen. „Zudem gibt es hier sehr wichtige Vorsorge-Aspekte, die gerade bei urologischen Erkrankungen eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen“, ist Steffi Liebig überzeugt. Erste wichtige Erfahrungen und spürbare Erfolge hat das Dresdner Unternehmen dabei im digitalen Bereich erzielen können, freut sich die Apogepha-Sprecherin. Die von den Dresdnern entwickelte Internetseite „Hoppla“ wendet sich an Elternund Kinder,die mitdem Problem des Bettnässens zukämpfen haben. Die Seite erklärt spielerisch, „wie das Trockenwerden funktioniert und die Kinder können überhaupt eine Menge über ihren Körper erfahren“. Ein Online-Blasentagebuch auf der Seite ist zudem eine Hilfe für Eltern und behandelnde Ärzte das Trinkverhalten und die Häufigkeit der Toilettengänge der Kinder zu kontrollieren. „Es gibt im digitalen Bereich also wirklich sehr viele Möglichkeiten!“ ............................................................. q Informationen: diga.bfarm.de/de

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