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Medizin_Heute_Juni_2022

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Seite 14 Umgang mit

Seite 14 Umgang mit Nebenwirkungen WENN MEDIKAMENTE DICK MACHEN Gewichtszunahmeals unerwünschteNebenwirkung? GöranDonnervon derSächsischenLandesapothekerkammer weiß, wiegegengesteuert werden kann. Oftist sogar ganz einfach. Herr Donner, warumführen manche Arzneimitteldazu, dass manzunimmt? Wenn das Körpergewicht während einer Arzneimittel-Therapie ansteigt, kann das verschiedene Ursachen haben: Manche Mittel regen den Appetit an, andere drosseln den Energiestoffwechsel. Wieder andere bewirken Wassereinlagerungen imKörper oder führen zu Muskelabbau und damit zu einem verminderten Energie-Grundumsatz. Auch Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln können dafür verantwortlichsein. Wasist in solchenFällen zu tun? Wer Medikamente einnimmt und eine Gewichtszunahme beobachtet, sich aber ernährt und bewegt wie sonst auch, fragt am besten erstmal die Arzneimittelexperten in der Apotheke, ob es da einen Zusammenhang geben kann. Bei welchenArzneimitteln istdas Problem der Zunahme denn besonders wahrscheinlich? Eine ungewollte Gewichtszunahme beobachten zum einen häufig Menschen, die Betablocker, Kortison oder Mittel gegen Diabetes anwenden. So erhöht beispielsweiseKortison, das etwa bei Rheuma und anderen entzündlichen Prozessen hilft, den Appetit und senkt gleichzeitig den Energieverbrauch – klar, dass man da leicht zunimmt.Betablocker wie Bisoprolol oder Metoprolol, die gegen hohen Blutdruck und Herzprobleme wirken, machen wiederum träge –wer hier nicht gegensteuert, riskiert ebenfalls mehr Pfunde auf der Waage. Inder Diabetes- Therapie gehören Insulin und Sulfonylharnstoffe zu den „üblichen Verdächtigen“. Bei den neueren Substanzen wie Glibenclamid ist dieser Effekt jedoch wenigerausgeprägt. Psychopharmakastehen ja ebenfallsindem Ruf, dick zu machen. Wasist da dran? Das ist in der Tatbei einer ganzen Reihe von Psychopharmaka ein Problem. Bei manchen dieser Mittel tritt der Effekt erst nachlängerer Einnahme auf. Allerdings reagiert nicht jeder Patient auf jeden Wirkstoff gleich. Manche nehmen zu, manche nicht, das lässt sich leider nichtvorhersagen. Wiesteht es mit hormonellen Verhütungsmitteln wieder „Pille“? In der Tat bringen viele Frauen,die per Antibabypille, Vaginalring, Hormonpflaster oder Spirale verhüten, eine eventuelle Gewichtszunahme damit in Verbindung. Allerdings konnte bislang keine wissenschaftliche Studie einen solchen Zusammenhang nachweisen. Meist sind Foto:stock.adobe.com mehrere Faktoren imSpiel: So können Estrogene die Einlagerung von Wasser ins Gewebe fördern. Oder die Hormone können generell den Appetit anregen. Aber solange der Body Mass Index imNormalbereich zwischen 18,5 und 24,9 liegt, besteht aus medizinischer Sicht kein Handlungsbedarf. Undwas kann mangegen dasarzneimittelbedingte „Mehr“ aufder Waagetun? Ganz wichtig: Auf gar keinen Fall darf man die ärztlich verordneten Medikamente einfach absetzen! Stattdessen sollte man gemeinsam mit Arzt und Apotheker nach dem geeigneten Weg suchen. Wie der aussieht, hängt vom Medikament und den Beschwerden ab,die damitbehandelt werden.Das kannein andererWirkstoffsein.Oder man passt die Dosierung an. Wer ständig Appetit hat, nimmt seine Arzneimittel –sofern möglich und abgesprochen – vielleicht besser abends ein. Nicht zuletzt helfen viel Bewegung und eine gesunde, vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung. Und wenn man vieles davon beherzigt, aber trotzdem nur unwesentlich abnimmt, sollte man sich immer wieder vor Augen führen, welchen Nutzen die Therapie bringt: Sie kann das eigene Leben verlängern oder gravierende körperliche bzw. seelische Leiden lindern – da sind ein paar Kilo mehr vielleicht leichter zu akzeptieren. ................................................ q Göran Donner istVizepräsidentund Pressesprecher der Sächsischen Landesapothekerkammer und Inhaber einer Apothekein Dippoldiswalde Im-Ohr-Hörgeräte Hörgeräte, die maßgefertigt im Ohr verschwinden, stehen hoch imKurs –nicht ohne Grund ANZEIGE Birgit Kahl Hörakustikmeisterin, Geschäftsführerin Sie erfreuen sich außerordentlich großer Beliebtheit: Hörgeräte, die mehr oder weniger unsichtbar im Ohr verschwinden, werden für jedes Ohr individuell gefertigt. Beste Handarbeit aus dem Hörakustik-Fachgeschäft sorgt für maximale Diskretion. Doch das ist längst nicht der einzige Grund für die enorme Popularität der winzigen Geräte. Ohren sind so einzigartig wie Fingerabdrücke. Hinzu kommt, dass jeder von uns anders hört. Dieser Individualität entsprechen Im-Ohr-Hörgeräte am besten –vorausgesetzt, die Qualität stimmt. Denn hier ist exzellentes Handwerk gefragt, das es keineswegs an jeder Eckegibt. „Man braucht viel Erfahrung“, so Birgit Kahl. „Ein weiches Abformmaterial wird in den Gehörgang gegeben. Dort härtet es in wenigen Minuten aus und wird dann entfernt. Diese Abformung wird weiterverarbeitet. Von der kleinen Form wird am Computer ein 3D-Modell erstellt. Alles wird sogeplant, dass die winzigen Bauteile genau hineinpassen. Dann wird das Gehäuse aus einem hochwertigen Kunststoff gedruckt. Jedes kleine Bauteil wird infiligraner Handarbeit eingesetzt.“ –Ist alles gut ausgeführt, bieten die Geräte klare Vorteile: Vorteil 1: diskret und stylisch: „Das ist für viele Kunden der wichtigste Grund, um sich für Im-Ohr-Hörgeräte zu entscheiden. Sie sind sehr klein und verschwinden mehr oder weniger im Ohr ihres Trägers. Andererseits gibt es heute auch Im-Ohr-Geräte, die wie hochwertige Funk-Kopfhörer aussehen. Nebenbei haben sie übrigens auch die Funktionalität von Funk-Kopfhörern. Man kann sie leicht mit dem Smartphone koppeln.“ Vorteil 2: natürlicher Klang: „Im-Ohr- Hörgeräte kommen dem natürlichen Hören besonders nah. Hier wird der Schall nämlich direkt im Ohr aufgenommen und so die Ohrmuschel ausgenutzt. Die ist bei jedem anders geformt. Ergebnis: Stimmen und Geräusche klingen klarer und man kann sie besser erkennen.“ Vorteil 3: bessere Lokalisierung: „Dass bei Im-Ohr-Hörgeräten die natürliche Ohrform genutzt wird, ist auch ein großer Vorteil für das räumliche Hören. Das kommt gerade in lauten Umgebungen zum Tragen. Vorteil4:sehr komfortabel: Die maßgefertigten Geräte sitzen besonders komfortabel. Nichts darf wackeln oder drücken. Man sollte die Technik im Ohr gar nicht mehr spüren. Brillenbügel oder die Gummis einer Atemmaske machen hier auch kein Problem. Sie interessieren sich für Im-Ohr-Hörgeräte? Bei Vorlage dieses Gutscheins im Fachgeschäft von Hörgeräte Kahl erhalten Sie einen kostenlosen Hörtest sowie ggf. die Möglichkeit, Im-Ohr-Hörgeräte unverbindlich zu erleben. Reservieren Sie sich jetzt Ihren Termin –mit maximaler Hygiene-Sicherheit. Aktionszeitraum bis zum 24.06.2022 Bitte vereinbaren Sie einen Termin! 01159 Dresden Rudolf-Renner-Str. 30 Tel. 0351 4215457 01219 Dresden Lockwitzer Str. 3 Tel. 0351 4662929 01309 Dresden Naumannstr. 8 Tel. 0351 31296768 01705 Freital Dresdner Str. 243 Tel. 0351 6493103 Hörgeräte Kahl GmbH www.hoergeraete-kahl.de

Sonderthema Gynäkologie Seite 15 NETZWERKGEGEN EIN TABU-THEMA DasNetzwerkBeckenbodenamDresdner Krankenhaus St.Joseph-Stiftverknüpftmedizinische Fachkompetenzen. BetroffenePatientinnenund Patienten profitierendavon. Dr.Ulf Kopprasch (r.) istniedergelassener Frauenarzt undoperiert im Rahmen des NetzwerksBeckenboden regelmäßig im St. Joseph-Stift. Foto:RenéPlaul Patiententag 22.Juni, 15–17 Uhr ThemaInkontinenz und Beckenboden im Rahmen der Kontinenzwocheder DeutschenKontinenzgesellschaft. Mitzahlreichen kurzen Vorträgenrundumdas Thema, dasleider nochimmer ein Tabu ist. Ort: Tagungszentrum, Eingang 2, Clara-Wolff-Haus,3.Etage, Canalettostr. 13, 01307 Dresden Ein Mittwochnachmittag kurz nach 15 Uhr: 9Fachärztinnenund Fachärzte haben sich im Dresdner Krankenhaus St. Joseph-Stift an einem Konferenztisch versammelt. Alle Blicke sind auf eine Leinwand gerichtet, auf der einRöntgenbildzusehen ist. Gemeinsam wollen sie sich zu diesem Fall beraten. Das allein ist nicht ungewöhnlich. Dass es sich bei dem Personenkreis aber um Spezialisten aus verschiedenen Fachgebieten –der Gynäkologie, Chirurgie, Urologie und Radiologie –aus derKlinikund ausArztpraxen handelt, schon. VorzehnJahrenhat sich dasNetzwerk Beckenboden genau mit diesem Ziel gegründet. „Wir wollten von Anfang an Spezialisten verschiedener Fachgebiete auf dem komplexen Gebiet von Funktionsstörungen des Beckenbodens aus Klinik undPraxenverbinden undentsprechende Übergänge schaffen“,erklärt Dr.AxelGatzweiler,Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und GeburtshilfeamSt. Joseph-Stift. Fast 5Millionen Menschen leiden allein in Deutschland anHarninkontinenz. Aber auch Senkungszustände und Darmentleerungsstörungen sind Beschwerdebilder,die nichtseltenauf einen geschwächten Beckenboden zurückzuführen sind. Ein Problem, von dem laut aktuellen Statistiken etwa 40 Prozent aller Frauen über 60 Jahrebetroffensind; mehr oder weniger schwer. Ihr Beckenboden ist anatomischbedingt instabiler als dervon Männern. „Oft treten Funktionsstörungen von Blase, Darm und Scheidensenkung inKombination auf. Betroffene ziehen sich dann häufig aus dem aktiven Leben zurück. Das soll und muss nicht sein“, wirft Dr. Ulf Kopprasch ein.Erist niedergelassener Arzt in seiner eigenenPraxisfür Frauenheilkunde im Dresdner Westen und überzeugt von den Vorteilen, die das Netzwerk bietet: „Wir verbinden die Fachkompetenz aller Beteiligten und ermöglichen so ambulante und stationäre Betreuung ohne Informationsverlust“, beschreibt er. Hier werde Hand in Hand agiert.„Undesist über die Jahre eine sehr persönliche, vertrauensvolle Beziehung entstanden.“ Einmal pro Monat kommen die Mitstreiter des Netzwerks zur Fallkonferenz im St. Joseph-Stift zusammen. „Vor allem sprechen wir dann über problematische Fälle, bei denen verschiedene Funktionsstörungen bestehen und beraten, was zu tun ist“, so Chefarzt Dr. Gatzweiler. Ein großer Vorteildabei:Alle,die am Tischsitzen, kennendie Patientin oder den Patienten schon länger. „Das macht es für unsleichter,den Befund zu beurteilen und einen patientengerechten Behandlungsplan aufzustellen“, ergänzt Dr. Kopprasch. Hinzu kommt, dass nach einem stationären Eingriff die ambulante Nachsorge gewährleistet ist –und das mitunter sogar durch denOperateur selbst. q NetzwerkBeckenboden am Krankenhaus St.Joseph-StiftDresden Wintergartenstraße 15/17 01307Dresden Montag bisFreitag 8bis 16 Uhr Tel. 0351 44405236 www.netzwerkbeckenboden.de PATIENTENBEISPIEL Der Fall einer 70-jährigen Patientin zeigt, wie verzahnt das Netzwerk Beckenboden am St. Joseph-Stift arbeitet –und wie akribisch die Suche nach der Ursacheund der am besten geeigneten Behandlungsoption läuft. Die Frau hatte sich erstmals 2018 im Krankenhaus vorgestellt – mit einer massiven Senkung des Beckenbodens. „Harnblase und Darm waren aus ihrer natürlichen Lage herausgedrückt worden“, beschreibt der Chefarzt. Was zur Folge hatte, dass die Frau an massiven Entleerungsstörungen mit unkontrollierbarem Harn- und Stuhldrang litt. „Die Patientin hatte bereits einige Vorbehandlungen hinter sich, auch operative Eingriffe.“, so Dr.Gatzweiler. Also warimSt. Joseph-Stiftder Beckenboden während einer OP korrigiert worden. Mit gutemErgebnis,was dieSenkung betrifft, „allerdings blieben auch im Nachhinein die unkontrollierbaren Stuhldrangprobleme.“ Im Netzwerk konnte nun auch auf die Expertise der Proktologen gesetzt werden–und dank derKooperationmit derRadiologischen Praxis in Freital kamhochmoderne Diagnostik zum Einsatz: die Defäkografie, eine spezielle Röntgentechnik, bei der Videos von inneren Abläufen entstehen. „Diese diagnostische Methode erfordert sehr viel Erfahrung und ist aufwendigund deshalbnichtweitverbreitet“, erläutertder Chefarzt. WICHTIGE INFOS q Ursachen: Dauerhaftschweres Heben, chronische Bronchitis,starkes ÜbergewichtoderRaucherhusten könnenzur Schädigung desBeckenbodensund zu Problemen wieSenkung undHarninkontinenz führen.AuchSchwangerschaften und Geburten sind möglicheUrsachenfür die Schwächungdes Bindegewebes. q Training: RückbildungsgymnastiknacheinerGeburtist diewichtigstePrävention. Mit Muskeltraininghingegenist nichtinjedem Fall etwas auszurichten:Man kann zwar die Muskulaturtrainieren, nicht aber dasproblematische Bindegewebe, dasKnochen, Organe undMuskulaturverbindet. q Ernährung: Darmentleerungsstörungen könnenu.a. durch starkes Pressenauf der Toiletteausgelöstwerden.Wer zu wenig trinkt, hathartenStuhl undmussstärker drücken. DasNetzwerk BeckenbodenimSt. Joseph-Stift Dresden istein wichtiger Anlaufpunktfür betroffene Patientinnen ausder gesamten Region: Dr.AxelGatzweiler,Dr. BronislawMatkivskyy undDr. Ulf Kopprasch (von links). Der 70-jährigen Patientin wurde ein kontrastmittelhaltiger Brei verabreicht,umdie Funktionalitätvon Darm undBeckenboden mitmodernstenradiologischen Methoden zuvisualisieren. „Es zeigte sich, dass der Darm zu lang war, sich beim Transport des Inhaltes ineinander einstülpte unddieser dadurch behindert wurde“, so Dr. Ulf Kopprasch. Durch eine gemeinsame Operation von Chirurgen und Gynäkologen konnte dies korrigiertwerden.Heutehat die Frau keine Probleme mehr, „dank der breit aufgestellten Fachkompetenzen in unserem Netzwerk“, klingt Dr. Axel Gatzweiler zufrieden. (JF)

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