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Medizin_Heute_Juni_2022

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Vorhofflimmern:

Vorhofflimmern: häufigste Herzkrankheit mit schonender Therapie behandeln Ablationstherapie im Lausitzer Seenland Klinikum jetzt mit Kryo-Konsole Ist der Herzschlag aus dem Rhythmus geraten, ist das bei einem Großteil der Fälle auf ein sogenanntes Vorhofflimmern zurückzuführen. Beim Vorhofflimmern wird der Herzschlag durch Ströme beeinflusst, die durch angrenzende Gefäße oder Muskeln fließen und so das Herz aus dem Rhythmus bringen. Um diese Ströme auszuschalten, gibt es verschiedene Therapien, die häufigste wird in einem Herzkatheterlabor durchgeführt und nennt sich Ablation. Seit vielen Jahren schon wird die Ablationstherapie im Lausitzer Seenland Klinikum angewandt. Dabei werden durch verschiedene Methoden die Stellen, von denen die störenden Ströme ausgehen mit elektrischen Impulsen vernarbt, so dass der Herzschlag nicht mehr gestört wird. Das Ablationsverfahren besteht dabei aus zwei Schritten. Als erstes wird das Herz für die genaue Verortung der Störstellen visualisiert. Danach kann der eigentliche Vorgang der Ablation stattfinden, also die Vernarbung des Gewebes, das für die Störungen des Herzschlages verantwortlich ist. Für den ersten Teil, die Visualisierung des Herzens, werden rund um das Herz Sensoren aufgebracht, so dass durch die gemessenen Impedanzunterschiede ein 3-dimensionales Bild des Herzens am Computer entsteht, das so genannte Mapping. Das Herz wird quasi vermessen und einAbbildamMonitor dargestellt. Dieser Vorgang erfolgt heutzutage komplett ohne Röntgen. Ist die Karte des Herzens erstellt, erfolgt der zweite Teil,die eigentliche Ablation. Hier werden nun am Monitor Stück für Stück die Stellen abgearbeitet, die für die Störungen des Herzrhythmus verantwortlich sind. Dabei wird eine Sonde per Leistenkatheter bis ins Herz eingeführt und mit elektrischen Impulsen das betreffende Gewebe Punkt für Punkt vernarbt. Seit kurzem kann nun der zweite Teil desVerfahrens mit einer so genannten Kryo-Konsole durchgeführt werden. Die Firma Abbott hat dafür einen kleinen Ballon entwickelt, der z.B. in die ins Herz mündenden Lungenvenen eingeführt wird. Dieser mit Lachgas gefüllte Ballon wird auf bis zu -60°C heruntergekühlt und führt mit nur einer Anwendung bei allen anliegenden Kontaktstellen zur Vernarbung. Dr. Andreas Terne, Oberarzt und Elektrophysiologe im Lausitzer Seenland Klinikum erklärt: „Der klare Vorteil der Kryo-Konsole ist die Ablation eines kompletten Geweberinges, z.B. in der Lungenvene. Wenn wir bishermit Elektroimpulsen gearbeitet haben, erfolgte die Ablation Punkt für Punkt bis ein Ring vollständig geschlossen ist. Mit den kleinen Ballons, erfolgt dieser Vorgang nun mit einem Mal und spart so natürlich Zeit. Gerade für ältere und schwächere Patienten stellt das einen enormen Vorteil dar, dader Eingriff z.B.für alle 4Lungenvenen nun nur noch rund 1Stunde dauert.“ Die gute Verträglichkeit und die Effizienz des Ablationsverfahrens im Herzkatheterlabor ist es auch, die der Therapie in den letzten Jahren einen immer höheren Fotos: LSK/Gernot Schweitzer Dr.Andreas Terne bei der Ablation im Herzkatheterlabor. Stellenwert beider Behandlungvon Herzrhythmusstörungen eingebracht haben. Waresfrüher noch „eineweitere“ Therapieform, wird die Ablation heute als Erstbehandlung beiVorhofflimmern eingesetzt. Entsprechend haben sich auch diePatientenzahlen im Lausitzer SeenlandKlinikum entwickelt, so dass man heute auf die Erfahrung von mehreren Hundert Eingriffen zurückblicken kann. Lausitzer Seenland Klinikum Maria-Grollmuß-Str. 10|02977 Hoyerswerda Hoy.info@sana.de |www.seenlandklinikum.de Wenn die kleinsten Herzgefäße versagen Brustschmerzen bedeuten manchmal mehr als einen Herzinfarkt oder koronare Herzkrankheit. Ein spezieller Katheter hilft bei der richtigen Diagnose. Beklemmendes Engegefühl, stechende oder diffuse Brustschmerzen? Über viele Jahre waren Betroffene angehalten, bei diesen Symptomen sofort 112 zu rufen. Doch was, wenn nicht ein Herzinfarkt die Ursache ist und die Symptome immer wieder auftreten und danach verschwinden? „Die Gründe für derartige Beschwerden können vielfältig sein. Unabhängig von der Diagnose sollten Brustschmerzen jedoch immer auch aus kardiologischer Sicht abgeklärt werden“, weiß Dr. Felix Woitek, Oberarzt der Klinik für InnereMedizin und Kardiologie am Herzzentrum Dresden Universitätsklinik. Bei Brustschmerzen steht neben einem möglichen Herzinfarkt vor allem die koronare Herzerkrankung in Verdacht, die Beschwerden zu verursachen. Dabei kann aus einer Verengung der großen Herzgefäße eine Unterversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff und Nährstoffen resultieren. „Doch nicht immer ist diese Erkrankung die Ursache für die Symptome wie ein Engegefühl in der Brust, linksseitige Brustschmerzen, Blutdruckabfall, Atemnot, Schweißausbrüche, Übelkeit oder Angstzustände. Dann lohnt sich im Herzkatheterlabor ein Oberarzt Dr. med. Felix Woitek bei seiner Arbeit im Herzkatheterlabor des Herzzentrums Dresden. Foto: Jörg Simanowski zweiter Blick. Und so geraten die kleinen Herzgefäße in den Fokus“, fügt der Experte hinzu. Denn auch sie können für Beschwerden verantwortlich sein, Mediziner:innen sprechen in so einem Fall von einer koronaren mikrovaskulären Dysfunktion, kurz CMD. Von dieser Durchblutungsstörung der kleinsten Blutgefäße des Herzes sind in Deutschland circa 90.000 Menschen jährlich betroffen. Bis es zu einer CMD-Diagnose kommt, erleben viele Patient:innen einen wortwörtlichen Arzt-Marathon. „Da zunächst keine offensichtliche Ursache für die Symptome festgestellt werden kann, besteht oftmals eine physische und psychische Belastung für Betroffene. Denn die Beschwerden sind ja da, auch wenn es keine erkennbare Ursache gibt”, schildert Dr. Woitek die Situation und fügt hinzu: “In der weiterführenden kardiologischen Diagnostik prüfen wir daher ausführlich, welche Gefäße für die Schmerzen oder das Unwohlsein verantwortlich sind. Über die Messung der sogenannten Flussreserve können sowohl Informationen über die Versorgung des Herzes mit Blut und Sauerstoff gewonnen werden als auch darüber, obund wie blockiert nicht nur die großen Herzkranzgefäße, sondern auch die Mikrozirkulation ist.” Um Patient:innen eine sanfte Alternative zu bisherigen Verfahren zu ermöglichen, setzen die Kardiologen des Herzzentrums Dresden seit Kurzem auf einen neuen Katheter, dessen Informationen von einer speziellen Software verarbeitet werden. Der Messdraht verfügt nicht nur über einen Druck-, sondern auch über einen speziellen Temperatursensor. Unter lokaler Narkose und vollkommen schmerzfrei wird dabei über eine kleine Punktion am Arm ein Katheter eingeführt und bis zu den Gefäßen geleitet. Dort finden dann die notwendigen Messungen statt. „Basierend auf den gewonnenen Infos Herzzentrum Dresden Universitätsklinik Klinik für Innere Medizin und Kardiologie und weiteren Daten wird ein persönlich zugeschnittener Therapiefahrplan für die Patient:innen erstellt“, berichtet Katheterexperte Dr. Woitek. Neben einer Gabe von Medikamenten kann zudem ein spezieller interventioneller Eingriff eine Behandlungsoption sein, denn eine Therapie erfolgt immer individuell angepasst. Doch auch darüber hinaus gibt es einfache Möglichkeiten, um eine Verbesserung der Symptome zu erzielen. „Damit einher geht eine Einschränkung der Risikofaktoren, wie Rauchen, Bluthochdruck, Übergewicht, hohe Cholesterinwerte, Diabetes und Stress“, so Dr. Woitek und fügt hinzu: „Es wird oftmals belächelt, jedoch ist die beste Art der Therapie ein optimales Lifestylemanagement.“ Fetscherstraße 76 ·01307 Dresden ·Telefon 0351 450-1703 www.herzzentrum-dresden.com hzd-kardiologie@herzzentrum-dresden.com

Schwangerschafts- Diabetes Seite 13 WENN BABYSMIT UNTERZUCKERUNG KÄMPFEN Vonden rund 450Geburtenin den Helios Weißeritztal-Kliniken Freital habengut fünf Prozent der Mütter einenSchwangerschaftsdiabetes.Dafür haben dieFreitaler ein besonderes Netz in ihrerKlinikentwickelt. Text:Jens Fritzsche Süße Babys. Das gilt ja eigentlich generell. Für einige Neugeborene allerdings im umgangssprachlichen Sinn gleich doppelt; und das ist für sie nicht ungefährlich. Für Babys nämlich, deren Mütter an Schwangerschaftsdiabetes leiden. „Denn das schädigt weniger die Mutter, als vielmehr das Kind“, macht Dr. Andreas Reichel deutlich, Chefarzt der Diabetologie an den Helios Weißeritztal-Kliniken Freital. „Babys werden im Mutterleib ja über das Blut der Mutter ernährt –und wenn die Frauen einen hohen Blutzuckerspiegel haben, geht dieser auch auf das Kind über“, beschreibt der Spezialist. Und bringt es drastisch auf den Punkt: „Das Kind wird sozusagen gemästet.“ Die Kinder kommen zwar mit den normalen 50bis 52 Zentimetern Körpergröße auf die Welt, sind aber viel dicker, weil der Zucker bei ihnen als Fett gespeichert wird. Und dieses Übergewicht kann bei der Geburt zum Problem werden, weiß Stefanie Norkus. Sie ist in Freital Oberärztin für Geburtshilfe. „Die Kinder DIEBABYS WERDEN MIT DERGEBURTVON DIESER LUXUSVERSORGUNG PLÖTZLICH ABGESCHNITTEN können sich bei der Geburt im Geburtskanal verklemmen, mitunter müssen wir uns auch für einen Kaiserschnitt entscheiden.“ Und natürlich ist man in den drei Freitaler Geburtensälen auf solche Notfälle vorbereitet; „wobei wir genau das durch eine eng verzahnte Zusammenarbeit mit anderen Fachbereichen unserer Klinik bereits im Vorfeldvermeiden wollen“,macht StefanieNorkus deutlich. Und verweist damit auf ein Freitaler Netzwerk: Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Geburtshilfe, dem zertifizierten Diabeteszentrumund der Kinderheilkunde. „Viele Häuser in Sachsen haben das leider so nicht“, sagt Chefarzt Dr. Reichel.Diese kurzen Wege sind nicht nur für eventuelle Notfälle wichtig, unterstreicht der Chefarzt. Grundlegendes Ziel sei es, den Blutzuckerwert von betroffenen Schwangeren auf das Niveau von gesunden Frauen zu bringen. Heißt, die werdenden Mütter sollten sich zum Beispiel mehr bewegen und sich gesünder ernähren – „was gerade in einer Schwangerschaft für die Frauen schwierig ist“, weiß Stefanie Norkus um die Probleme. „Aber es ist machbar“, sagt die Oberärztin und verweist auf die sehr guten und deutschlandweit geltenden Diagnostik- und Behandlungsvorgaben. Die machen es den niedergelassenen Diabetologen möglich, die betroffenen Frauen gut auf die Geburt vorzubereiten. Eine große Furcht kann Dr.AndreasReichelden werdenden Müttern im übrigen nehmen:Sollteesnotwendig werden, der Mutter zusätzlich Insulin zuspritzen, „bekommt das Kind dieses zusätzliche Insulin nicht!“ Das Insulin-Molekül ist vonForm und Größe her nicht in der Lage, durch die Plazenta zu gelangen… Oberärztin Stefanie Norkus undChefarzt Dr.Andreas Reichel im Fachgespräch. Foto:JensFritzsche Sechs Wochen vorm Geburtstermin kommen die werdenden Mütter dann mit ihren individuellen Diagnosen und Therapien zu ersten Absprachen in die Helios Weißeritztal-Kliniken. „Wir sehen uns dann bis zur Geburt häufiger; können so schon mögliche Komplikationen erkennen und in vielen Fällen verhindern“, beschreibt Stefanie Norkus den Weg. Ein erfolgreicher Weg, sagt sie dann – und klingt durchaus ein wenig stolz. „Die Mütter haben bei uns ein gutes, sicheres Gefühl – dasist das Ziel!“ Biszudreigefährliche Tage fürdie Babys Viel dramatischer ist aber, was die Kinder inden ersten ein bis drei Tagen nach der Geburt durchmachen, „sollte die Blutzuckerlage in der Schwangerschaft doch nicht das Ziel erreicht haben“, stellt Dr. Andreas Reichel klar, warum diese Freitaler Zusammenarbeit so wichtig ist. „Denn das Kind im Mutterleib reagiert auf den erhöhten Blutzuckerwert der Mutter, indem es selbst mehr Insulin produziert, um sozusagen nicht Diabetiker zu werden“, beschreibt der Chefarzt. Aber dieKindergewöhnen sich in dieser Zeit auch an die Zuckerzufuhr, „und werden mit der Geburt plötzlich von dieser sozusagen Luxusversorgung abgeschnitten“.Allerdings produzieren sie weiterhin die bisherige Menge Insulin; was jetzt viel zu viel ist. „Heißt, es kann zu Unterzuckerungen kommen, die im schlimmsten Fall das Gehirn schädigen“, nennt der Freitaler Spezialist eine der dramatischenFolgen. Undsokommt genau an dieser Stelle nun wieder das wichtige Netzwerk ins Spiel: Kinderärzte sorgen mit einem intensiven Monitoring der betroffenen Babys für die wichtige Kontrolle und können im Notfall auch gemeinsam mit den Diabetologen eingreifen. „Wir haben dazu Behandlungs- und Diagnostikschritte festgelegt“, beschreibt Dr. Reichel die engmaschige Zusammenarbeit. Undauch die Mütter werden in diesen Tagen intensiv betreut. Denn auch, wenn bei den meisten der Schwangerschaftsdiabetes wieder zurückgeht, „ist esbei einigen doch ein Zeichen, das Leben dauerhaft ein wenig umzustellen“, erklärt Dr. Andreas Reichel,dass diejungenMütter wichtige Ratschläge mit bekommen. Auch das gehört zum Freitaler Netzwerk. ............................................... q helios-gesundheit.de/ kliniken/weisseritztal DIEURSACHE Beieinem Viertel, biszueinem Drittel aller Deutschen hatdas vomKörper produzierte Insulin eine reduzierte Wirkung. Dashat im normalenLeben keine Auswirkungen. Schwierigwirdesallerdingsdann,wenn Faktoren hinzukommen, diezusätzlichdafür sorgen, dieWirkung desInsulinszuverringern. Übergewicht zum Beispiel,falsche Ernährung –und auch eine Schwangerschaftkannein solcher Faktor sein;aktuell bei rund sechs Prozentder Schwangeren. Mitsteigender Tendenz. Denn je älterSchwangere sind,umsohöher istauchdas Risiko,die Wirkungdes produzierten Insulins herunterzusetzen. Aktuellsind im Freitaler Krankenhausdie Schwangeren durchschnittlich 30 Jahrealt,zur Wendeinder DDRlag dieser Wert bei22Jahren. Durch Corona, vermutet Oberärztin StefanieNorkus,wirddas Durchschnittsalter sogar auf32Jahre ansteigen, „daviele Frauen verunsichertauf diePandemie reagiert haben undindieser Situationden Kinderwunsch zurückgestellt haben“. DIEDIAGNOSTIK Die Möglichkeiten, Schwangerschafts-Diabetes zu erkennensind mittlerweilesehr, sehr gut. Ein entsprechendes, vonden Krankenkassen bezahltesScreening-Programm in dengynäkologischen Praxen funktioniert–auch dienotwendige Überweisungder betroffenenSchwangeren an den niedergelassenen Diabetologen. DiePatientinnen werden also perfektbetreut, dasSystemfunktioniert, so Dr.Andreas Reichel. DASINSULIN Insulinist einvon derBauchspeicheldrüsegebildetes Hormon,das dieVerarbeitunginsbesonderevon Kohlenhydraten im Körper reguliertund somit den Blutzuckerspiegelsenkt.Dennje mehr Zucker ausder aufgenommenen Nahrung im Blut ist, umso mehr Energie nimmt derKörperauf,umsomehrEnergie speicherterauch. In aller Regelals Fett.Und dasmacht krank.

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