Aufrufe
vor 2 Monaten

Medizin Heute 08_2022

  • Text
  • Demenz
  • Patienten
  • Dresden
  • Klinik
  • Menschen
  • Therapie
  • Betroffenen
  • Sachsen
  • Behandlung
  • Thema
  • Medizin

Spezial Adipositas Seite

Spezial Adipositas Seite 3 „ALLEIN SPORT HILFT NICHT, ABZUNEHMEN“ Das Idealgewicht ist eine sehr individuelle Sache. Und ist ein Zusammenspiel aus Bewegung und Ernährung, sagt Dr. Frank Horlbeck von Kieser Training. Und er plädiert deshalb für professionelle Begleitung. Eine Anfang des Jahres vorgelegte Studie, in der rund 3.000 Dresdner Senioren von Wissenschaftlern der Technischen Universität Dresden nach ihren aktuellen Lebensumständen befragt wurden, ermittelte neben vielen anderen Ergebnissen auch erschreckende Zahlen zum Thema Übergewicht. 42 Prozent der Älteren sind übergewichtig, weitere 20 Prozent sogar adipös – also massiv übergewichtig. Zahlen, die auf ganz Ostsachsen adaptierbar sind. Über Auswege sprach ME- DIZIN HEUTE mit Dr. Frank Horlbeck, Inhaber von Kieser Training in Mitteldeutschland: MUSKELTRAINING WIRKT WIE EIN HOCHPOTENTES MEDIKAMENT, WENN ES RICHTIG INSTRUIERT WIRD. Herr Dr. Horlbeck, dass Sport gesund ist und schlank macht, ist bekannt. Allerdings vermuten die meisten, dass dies vor allem für Ausdauersport gilt. Warum ist auch Muskeltraining in diesem Zusammenhang sinnvoll? Zuerst einmal ist es allein mit Sport meist schwierig, nachhaltig abzunehmen. Hier spielt auch die Ernährung eine entscheidende Rolle. Wer beispielsweise knapp 30 Minuten joggt und sich danach zur Belohnung ein Radler gönnt, hat kalorisch nur wenig erreicht. Muskulatur verbraucht neben unserem Hirn die meiste Energie, wenn sie denn ausreichend vorhanden ist. Das funktioniert auch ohne Aktivität und nennt sich Grundumsatz. Der Erhalt unseres wichtigsten Stoffwechselorgans bedarf daher eines spezifischen Trainings. Sonst geht unser Körper in den Sparmodus und baut die Motoren unseres Lebens kontinuierlich ab. Mitunter nehmen trainierte Menschen aber durch das Training sogar zu. Warum ist das Gewicht durch Muskelmasse nicht so gefährlich wie Körperfett? Unser Körpergewicht wird von der Masse mehrerer Gewebe bestimmt. So kann ein scheinbar Normalgewichtiger trotzdem ein ungünstiges Verhältnis von Körperfett und Magermasse haben. Diese Person hält sich für gesund, hat medizinisch gesehen aber Risikofaktoren. Im umgekehrten Fall besitzen gut Trainierte mitunter einen hohen Anteil an Muskulatur. Das ist kein Problem, im Gegenteil. Denn nur Körperfett, speziell solches um unsere inneren Organe, richtet kontinuierlichen Schaden an. Es ist wie ein Schwelbrand und ruft chronische Entzündungen hervor. Dazu entgleist unser Stoffwechsel, sowohl bei Fetten als auch beim Blutzucker. Unser Blutdruck steigt mit Risiken für Herz und Kreislauf. Aber auch die Wahrscheinlichkeit für Krebs nimmt zu, während unser Immunsystem an Präzision verliert. Wer zum Beispiel mit Laufen beginnt, sollte zunächst in kurzen Intervallen starten. Wie sieht der Start für Muskel-Training aus? Das hängt von den konkreten Zielen und der jeweiligen Ausgangssituation ab. Daher erfolgt die Belastungssteuerung stets individuell. Wir haben inzwischen 55-jährige Erfahrung als Anbieter. Im Mittelpunkt steht ein hochintensives Training. Dies ist in meinen Augen ein optimaler Weg aus Wirksamkeit, Sicherheit und Effizienz. Der beste Start ist daher stets persönliche Beratung, korrekte Instruktion und Begleitung bei den ersten Trainings. Warum ist es sinnvoll, Training unter den Augen von ausgebildeten Fachleuten – wie bei Kieser Training – zu absolvieren? Muskeltraining wirkt wie ein hochpotentes Medikament, wenn es richtig instruiert wird. So wie es in der Apotheke keine Selbstbedienung gibt, spielt auch hier die individuelle Auswahl der Übungen und deren präzise Dosierung eine entscheidende Rolle. Zudem kommen auch ältere Menschen zu uns und solche mit diversen Vorerkrankungen. Darum sind stets auch erfahrene Ärzte und Therapeuten eingebunden. Wir übernehmen ja Verantwortung für Gesundheit und Trainingserfolg und haben uns zuallererst für Qualität entschieden, nicht für ein billiges Angebot. Mit Blick auf krankhaftes Übergewicht – Adipositas – sind sicher zusätzliche Dinge bei Training und Start zu beachten? Das Wichtigste ist natürlich der Start selbst. Gute Übungen sind Treppensteigen, Schwimmen oder Rad fahren. Wer irgendwann walken oder joggen möchte, sollte zuvor unbedingt die Muskulatur trainieren, um Gelenke und Wirbelsäule zu stabilisieren. Wie schnell sollte man eigentlich abnehmen? Nicht das Abnehmen ist entscheidend, sondern die Reduzierung von Körperfett. Wenn Sie jeden Tag etwa 300 bis 400 Kilokalorien mehr verbrauchen, als sie zu sich nehmen, dann verlieren Sie pro Woche etwa ein halbes Kilogramm davon. Schnellere Schwankungen beruhen meist auf Wasserverlust und sind oft reversibel. Gespräch: Jens Fritzsche ......................................................... q www.kieser-training.de Im-Ohr-Hörgeräte Hörgeräte, die maßgefertigt im Ohr verschwinden, stehen hoch im Kurs – nicht ohne Grund ANZEIGE Birgit Kahl Hörakustikmeisterin, Geschäftsführerin Sie erfreuen sich außerordentlich großer Beliebtheit: Hörgeräte, die mehr oder weniger unsichtbar im Ohr verschwinden, werden für jedes Ohr individuell gefertigt. Beste Handarbeit aus dem Hörakustik-Fachgeschäft sorgt für maximale Diskretion. Doch das ist längst nicht der einzige Grund für die enorme Popularität der winzigen Geräte. Ohren sind so einzigartig wie Fingerabdrücke. Hinzu kommt, dass jeder von uns anders hört. Dieser Individualität entsprechen Im-Ohr-Hörgeräte am besten – vorausgesetzt, die Qualität stimmt. Denn hier ist exzellentes Handwerk gefragt, das es keineswegs an jeder Ecke gibt. „Man braucht viel Erfahrung“, so Birgit Kahl. „Ein weiches Abformmaterial wird in den Gehörgang gegeben. Dort härtet es in wenigen Minuten aus und wird dann entfernt. Diese Abformung wird weiterverarbeitet. Von der kleinen Form wird am Computer ein 3D-Modell erstellt. Alles wird so geplant, dass die winzigen Bauteile genau hineinpassen. Dann wird das Gehäuse aus einem hochwertigen Kunststo! gedruckt. Jedes kleine Bauteil wird in filigraner Handarbeit eingesetzt.“ – Ist alles gut ausgeführt, bieten die Geräte klare Vorteile: Vorteil 1: diskret und stylisch: „Das ist für viele Kunden der wichtigste Grund, um sich für Im-Ohr-Hörgeräte zu entscheiden. Sie sind sehr klein und verschwinden mehr oder weniger im Ohr ihres Trägers. Andererseits gibt es heute auch Im-Ohr-Geräte, die wie hochwertige Funk-Kopfhörer aussehen. Nebenbei haben sie übrigens auch die Funktionalität von Funk-Kopfhörern. Man kann sie leicht mit dem Smartphone koppeln.“ Vorteil 2: natürlicher Klang: „Im-Ohr- Hörgeräte kommen dem natürlichen Hören besonders nah. Hier wird der Schall nämlich direkt im Ohr aufgenommen und so die Ohrmuschel ausgenutzt. Die ist bei jedem anders geformt. Ergebnis: Stimmen und Geräusche klingen klarer und man kann sie besser erkennen.“ Vorteil 3: bessere Lokalisierung: „Dass bei Im-Ohr-Hörgeräten die natürliche Ohrform genutzt wird, ist auch ein großer Vorteil für das räumliche Hören. Das kommt gerade in lauten Umgebungen zum Tragen. Vorteil 4: sehr komfortabel: Die maßgefertigten Geräte sitzen besonders komfortabel. Nichts darf wackeln oder drücken. Man sollte die Technik im Ohr gar nicht mehr spüren. Brillenbügel oder die Gummis einer Atemmaske machen hier auch kein Problem. Sie interessieren sich für Im-Ohr-Hörgeräte? Bei Vorlage dieses Gutscheins im Fachgeschäft von Hörgeräte Kahl erhalten Sie einen kostenlosen Hörtest sowie ggf. die Möglichkeit, Im-Ohr-Hörgeräte unverbindlich zu erleben. Reservieren Sie sich jetzt Ihren Termin – mit maximaler Hygiene-Sicherheit. Aktionszeitraum bis zum 30.09.2022 Bitte vereinbaren Sie einen Termin! 01159 Dresden Rudolf-Renner-Str. 30 Tel. 0351 4215457 01219 Dresden Lockwitzer Str. 3 Tel. 0351 4662929 01309 Dresden Naumannstr. 8 Tel. 0351 31296768 01705 Freital Dresdner Str. 243 Tel. 0351 6493103 Hörgeräte Kahl GmbH www.hoergeraete-kahl.de

Seite 2 Spezial Adipositas MIT GEOCACHING GEGEN ÜBERGEWICHT An den Weißeritztal-Kliniken läuft seit Jahren ein erfolgreiches Projekt, um Übergewichtigen auch ohne OP den Weg zu einem gesünderen Leben zu zeigen. Durch Corona setzen die Experten nun ganz neue Ideen um. Text: Jens Fritzsche Foto: Thorsten Eckert Der größte Feind ist die Angst. Die Angst zum Beispiel, ausgelacht zu werden, die Angst, sich als Außenseiter zu fühlen. „Deshalb igeln sich stark Übergewichtige oft immer mehr ein – und meiden die Öffentlichkeit, was fatal ist, weil es den Teufelskreis aus zu wenig Bewegung und falscher Ernährung meist noch weiter verstärkt“, weiß Dr. Petra Ott. Sie ist die Leiterin des ambulanten Adipositas-Zentrums Sachsen der Helios Weißeritztal-Kliniken Freital und Dippoldiswalde. Und ist tagtäglich mit den Problemen von Menschen konfrontiert, über denen das medizinische – und eben auch psychisch belastende – Damoklesschwert Adipositas schwebt; starkes Übergewicht. „Und um gerade diese psychologische Komponente zu stabilisieren, haben wir seit dem Frühjahr neue Bausteine in unsere bewährte Therapie eingefügt.“ So wird nun auch stärker das persönliche Umfeld, die Familie mit einbezogen. „Gemeinsames Geocaching beispielsweise sorgt für Bewegung – und gegenseitiges Verständnis“, beschreibt die Spezialistin eine der zahlreichen neuen Ideen. Denn mitunter fehlt auch dem Umfeld nicht nur das nötige Fingerspitzengefühl, sondern überhaupt die Einsicht, dass es sich bei Adipositas um eine Krankheit handelt. Eine durchaus gefährliche noch dazu. Adipositas erhöht die Gefahr, an Krebs zu erkranken Denn zum einen geht es bei starkem Übergewicht um „Risikofett“, das unter anderem die Gefahr erhöht, an Diabetes und Krebs zu erkranken – die Rede ist dabei vom Bauchfett in tieferen Schichten, das zum Beispiel nicht abgesaugt werden kann. Zum anderen kann das Problem eben nur durch die Änderung des Lebensstils grundlegend MITUNTER FEHLT AUCH DEM UMFELD DIE EINSICHT, DASS ES SICH BEI ADIPOSITAS UM EINE KRANKHEIT HANDELT. angegangen werden, weiß die Ernährungsmedizinerin. Eine Ernährungsumstellung ist der vielleicht wichtigste Baustein der Therapie – und auch hier ist das persönliche Umfeld natürlich ein bedeutender Faktor, der mitziehen und auf die Betroffenen „aufpassen“ muss. Gemeinsam gesund kochen ist deshalb ein weiterer neuer Baustein. „Unsere Ernährungstherapeutin hat beispielsweise zahlreiche Rezepte vor laufender Videokamera gekocht und das Ganze online gestellt“, beschreibt Dr. Petra Ott. Die Rezepte gibt es natürlich auch in gedruckter Form dazu. Und überhaupt lernen die Betroffenen während der Therapie, dass es in erster Linie nicht darauf ankommt, wie viel man isst, sondern vor allem, dass man das Richtige isst. So ist gegen ein Steak am Abend nicht unbedingt etwas einzuwenden, „es muss wirklich nicht immer nur Salat sein“, verrät die Medizinerin. Und die Patienten lernen auch, dass es mitunter darauf ankommt, sich beim Essen Zeit zu nehmen. Wer schlingt, wird schneller dick, sagt sie. „Bei einigen Patienten hilft letztlich zwar tatsächlich oft nur eine OP – eine Magenverkleinerung oder ein Magen-Bypass.“ Doch bis dahin versucht die Spezialistin, das Thema mit einer breitaufgestellten Therapie in der Klinik in Dippoldiswalde auf konservative Weise anzugehen: „Chirurgische Eingriffe sind natürlich nur das letzte Mittel der Wahl, die Veränderungen müssen im Kopf beginnen“, macht sie deutlich. Und dafür hat das Team der Helios Weißeritztal-Kliniken – aus Ernährungsmedizinern, Internisten, Psychologen, Physiotherapeuten, Ernährungsberater und Chirurgen – ein spezielles Programm entwickelt, mit dem Betroffene über anderthalb Jahre hinweg begleitet werden. „Und die Corona-Zeit hat uns dabei gezeigt, dass viele Dinge stärker auch außerhalb unseres Programms angesiedelt werden müssen; im Freundeskreis oder eben nicht zuletzt der Familie“, blickt Dr. Petra Ott auf die vergangenen gut zweieinhalb Jahre zurück. „So haben wir zum Beispiel auch sportliche Übungsprogramme vorbereitet, die leicht zu Hause absolviert werden können – sollten die Fitnessstudios mal wieder geschlossen bleiben müssen …“ Programme, die aber eben auch dann hilfreich sind, wenn sich Patienten aus Scham gar nicht erst ins Fitnessstudio trauen. Wobei vor allem eine Erfahrung aus der Pandemie-Zeit für Dr. Ott und ihr Team wichtig ist: „Der Gruppeneffekt ist wirklich sehr, sehr wichtig!“ Gemeinsam traut man sich als Übergewichtiger auch mal ins Schwimmbad, gemeinsam ist die Motivation größer, durchzuhalten!“ Gerade das war ja während der Corona-Einschränkungen nicht möglich; „und das haben wir deutlich auch an den schlechter gewordenen Ergebnissen in unseren Therapiekursen gesehen“. Dennoch ist die Ernährungsmedizinerin stolz auf die niedrige Abbruchquote ihrer q Wenn der Body-Mass-Index über 50 liegt q Wenn Krankheiten als Ursache für das Übergewicht ausgeschlossen sind Dr. Petra Ott hat auch im eigenen Garten eine Möglichkeit für regelmäßigen Sport. Als Leiterin des ambulanten Adipositas- Zentrums der Helios Weißeritztal-Kliniken weiß sie, wie wichtig das im Alltag sein kann. Patienten: „Vier von fünf halten bei uns durch!“ Zum Vergleich: Bei großen deutschlandweiten Adipositas- Studien steigen schonmal weit über 50 Prozent der Teilnehmer aus … Das persönliche Umfeld ist wichtiger Teil der Therapie Trotzdem hat das Medizinerteam diese Gruppeneffekte im Rahmen der Therapie gestärkt: „Einmal im Monat treffen sich die acht Patienten einer Gruppe bei uns in der Klinik entweder zu Einzelterminen bei Arzt, Ernährungsberaterin und Psychologin oder bei gemeinsamen Gruppenterminen wie Ernährung, Bewegung, Psychologie.“ Da das Programm jetzt neu als teilstationäres Programm abläuft, findet sich am Rande des Tages zudem immer noch genügend Zeit, sich innerhalb der Gruppe auszutauschen. So können neu entdeckte Rezepte besprochen werden oder man verabredet sich zum gemeinsamen Schwimmen. „Und wie erwähnt haben wir dabei auch das persönliche Umfeld mit in die Betrachtung einbezogen.“ Denn mit dem schon mehrfach erwähnten Blick auf die Psychologie: „Ein vertrautes Umfeld ist für den Erfolg der Therapie sehr wichtig, weil es den notwendigen Halt gibt“, unterstreicht Dr. Petra Ott. ................................................................... q Adipositaszentrum Sachsen 0351 6467555 www.adipositas-sachsen.de WANN IST EINE OPERATION SINNVOLL? q Wenn eine Gewichtsreduktion konservativ nach sechs Monaten keinen Erfolg hatte q Wenn keine Kontraindikationen vorliegen, die gegen eine OP sprechen

Sächsische Zeitung und Sächsische.de

Unsere Partner